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Act against Aids

Jahresbericht: Mit Mut und Kreativität erfolgreich durch die Pandemie

Die Corona-Pandemie hat auch die Menschen in Simbabwe hart getroffen und unsere Arbeit zeitweise stark beeinflusst. Das engagierte Klinikteam konnte jedoch stets Lösungen finden und unsere Patientinnen und Patienten auf gewohntem Niveau behandeln und begleiten.

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Der Bedarf nach einer wirkungsvollen HIV-Therapie ist in Simbabwe nach wie vor sehr gross. Gemäss den UNAIDS-Zahlen von 2019 sind rund 13 % der Menschen zwischen 15 und 49 Jahren HIV-positiv, und jährlich kommt es zu etwa 20'000 Todesfällen und mehr als 30'000 Neuansteckungen. Zum Vergleich: Laut dem Bundesamt für Gesundheit wurden 2019 in der Schweiz 421 Menschen mit HIV diagnostiziert. Unsere Newlands Clinic ist auch im Jahr 2020 gewachsen: Ende Dezember zählte sie 7'003 Patientinnen und Patienten, fast 300 mehr als im Vorjahr (+4 %). Rund zwei Drittel sind weiblich und knapp ein Viertel ist jünger als 25 Jahre.

Erfolgreiche Therapie trotz Lockdown
Obwohl die Pandemie das Klinikteam vor grosse Herausforderungen stellte (siehe S. 8 — 11), konnten wir die qualitativ hochstehende HIV-Therapie aufrechterhalten. Von den Patientinnen
und Patienten, die seit mindestens sechs Monaten in der Newlands Clinic mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden, haben 97 Prozent eine unterdrückte Viruslast nach UNAIDS-Kriterien. Dieser Wert ist bei Erwachsenen höher als bei jungen Menschen bis 24 Jahre (98 % vs. 93 %). Die enge Begleitung der Kinder und Jugendlichen bleibt daher eine zentrale Aufgabe des Klinikteams.

Wichtige Hinweise auf den Therapieerfolg geben auch die Zahlen zu Therapieabbruch und Mortalität. Nur 51 Patientinnen und Patienten (0.7 %) haben die Behandlung im Jahr 2020 abgebrochen. Bei den 77 verstorbenen Patientinnen und Patienten (1.1 %) war Krebs die häufigste Todesursache. Die meisten von ihnen haben erst Hilfe bei uns gesucht, als die Krankheit zu weit fortgeschritten war.

Folgekrankheiten rechtzeitig erkennen und behandeln
Menschen mit einer HIV-Infektion haben ein erhöhtes Risiko, an Krebs — bei Frauen vor allem Gebärmutterhalskrebs — und an opportunistischen Infektionen wie Tuberkulose (TB) zu erkranken. Die TB-Prophylaxe und regelmässige Untersuchungen zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs sind deshalb feste Bestandteile der Betreuung. Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs können direkt in unserem Zentrum für Frauengesundheit diagnostiziert und behandelt werden. Im Berichtsjahr benötigten 219 von 2'665 untersuchten Frauen eine Behandlung, wobei vier an Gebärmutterhalskrebs litten. Bei Krebsdiagnosen unterstützen wir die Patientinnen und Patienten nach Möglichkeit finanziell, damit sie in einer spezialisierten Klinik medizinische Hilfe erhalten. Weitere HPV-bedingte Erkrankungen des Intimbereichs und sexuell übertragbare Infektionen können wir direkt in der Newlands Clinic diagnostizieren und behandeln.

Psychosoziale Begleitung aus der Ferne

Die Pandemie stellte unsere Patientinnen und Patienten, die ohnehin in prekären Verhältnissen leben, vor grosse Schwierigkeiten. Angesichts der Ausgangssperre wurde die Anreise in die Klinik für viele erheblich erschwert, und Verdienstmöglichkeiten durch den Verkauf von Waren oder das Anbieten von Dienstleistungen fielen oft ganz weg. Besonders hart traf es Kinder und Jugendliche, da die Schulen im zweiten Halbjahr geschlossen wurden. Neben dem drohenden Bildungsrückstand stieg ihr Risiko, Opfer von Missbrauch und Gewalt zu werden. Rund 550 Patientinnen und Patienten benötigten im Jahr 2020 psychologische Unterstützung. Die Beratungen fanden mit Schutzmassnahmen vor Ort oder telefonisch statt. Die Gruppentherapien mussten wir unterbrechen und das Berufsausbildungsprogramm 2020 werden wir erst 2021 abschliessen.

Weitere spannende Themen finden Sie in unserem Jahresbericht 2020.