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Act against Aids

Frauen im Fokus der Newlands Clinic

Frauen stehen bewusst im Fokus der Newlands Clinic. Als medizinische Direktorin und Leiterin unseres Zentrums für Frauengesundheit setzt sich Margie Pascoe tagtäglich mit Leib und Seele für unsere Patientinnen ein. Obwohl ihre Arbeit oft sehr belastend ist, kann sich die gebürtige Simbabwerin keine erfüllendere Aufgabe vorstellen.

Die Newlands Clinic behandelt seit Beginn mehr Frauen als Männer und hat seit 2015 ein eigenes Zentrum für Frauengesundheit – warum?
Frauen haben ein höheres Risiko mit HIV angesteckt zu werden als Männer. Zudem leiden sehr viele HIV-positive Frauen auch an einer Infektion durch Papilloma-Viren, die unter anderem zu Gebärmutterhalskrebs führen kann. Vor einigen Jahren noch litten über 30% unserer Patientinnen an einer Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs! Durch entsprechende Untersuchungen und Behandlungen konnten wir die Anzahl betroffener Frauen massiv senken.


Die Frauen stehen also aus medizinischen Gründen im Fokus?
Ja, aber auch aus sozialen Gründen: Frauen sind in den hiesigen patriarchalen Strukturen sehr verletzlich. Sie gelten als Besitz und können kaum über ihren Körper bestimmen, zum Beispiel indem sie auf den Gebrauch eines Kondoms bestehen. Doch nur wenn sie stark sind, können sie ihre Kinder ernähren und beschützen. Hinzu kommt, dass Frauen ihrer Gesundheit mehr Sorge tragen. Deshalb fokussieren wir uns auf die Stärkung der Frauen.


Wie machen Sie das konkret?
Einerseits indem wir sie medizinisch umfassend betreuen. Andererseits beraten wir sie unter anderem in der Familienplanung oder bei Missbrauch und Gewalt. Wir ermöglichen Ausbildungsprogramme und zahlen Schulgelder für ihre Kinder. Wir hören ihnen zu, setzen uns für sie ein, geben ihnen eine Stimme und behandeln sie mit Respekt und Zuneigung. Manchmal kann bereits eine Umarmung Wunder wirken.


Wie hat sich die Coronakrise auf die Situation der Frauen ausgewirkt?
Die Pandemie stürzt unsere Patientinnen in eine noch grössere Unsicherheit. Die meisten von ihnen lebten bereits vor der Krise von der Hand in den Mund. Durch die Massnahmen zur Eindämmung der Regierung stehen sie plötzlich völlig mittellos da. Lange Zeit durften sie ihr Haus nicht mehr verlassen und waren rund um die Uhr für die Betreuung der Kinder und Alten zuständig. Die Krise hat nochmals die zentrale Rolle der Frauen als Stützen der Familien und Gemeinschaften verdeutlicht.


Wie konnten Sie die Frauen in dieser schwierigen Situation unterstützen?
Dank unserem sehr engagierten Team und den vorhandenen Ressourcen konnten wir die medizinischen Grundleistungen bis anhin jederzeit gewährleisten. Wir mussten niemanden wegschicken, der um Hilfe bat. Ganz wichtig ist auch die psychologische Unterstützung; die Gewissheit, dass wir sie durch diese schwierige Zeit begleiten. Da persönliche Treffen kaum mehr möglich sind, haben wir über WhatsApp-Chats und telefonische Beratungen den Kontakt zu den Frauen. Auf diese Weise tragen wir uns gegenseitig durch die Krise.


Sie erleben bei Ihrer täglichen Arbeit viel Leid. Wie gehen Sie damit um?
Ich kann nicht all meinen Patientinnen und Patienten helfen. Das setzt mir zeitweise ganz schön zu. Wenn ich aus dem Tor der Newlands Clinic fahre, versuche ich, meine Patientinnen und Patienten sowie ihre Geschichten hinter mir zulassen. Aber dies gelingt mir kaum. Oft überlege ich mir noch vor dem Einschlafen, was wir hätten anders und besser machen können. Zum Glück habe ich eine wunderbare Familie, die mich unterstützt. Und ich liebe meinen Job als Ärztin in der Newlands Clinic sehr, weil ich hier wirklich etwas bewegen kann.