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Manuel Sager bereichert Stiftungsrat der Ruedi Lüthy Foundation

Der Stiftungsrat der Ruedi Lüthy Foundation hat auf den 1. Januar 2021 ein weiteres Mitglied ernannt. Manuel Sager, ehemaliger Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), ergänzt den Stiftungsrat mit seiner Expertise in Entwicklungszusammenarbeit und internationalen Beziehungen. Zusammen mit Ruedi Lüthy erklärt er, wie es zum Engagement kam.

Manuel Sager, aus welchen Gründen haben Sie sich für ein Engagement bei der Ruedi Lüthy Foundation entschieden?

Manuel Sager: Mich überzeugt das Konzept der Newlands Clinic und der Ruedi Lüthy Foundation, nicht nur aus humanitärer, sondern auch aus entwicklungspolitischer Sicht. Bei der Behandlung von Menschen mit HIV verfolgt die Organisation einen ganzheitlichen Ansatz. Neben medizinischer Betreuung werden auch Berufsbildungs- und Verdienstmöglichkeiten angeboten. Für Menschen, die aufgrund ihrer HIV-Infektion gesellschaftlich ausgegrenzt werden, leistet die Ruedi Lüthy Foundation damit auch einen Beitrag zur Armutsbekämpfung. Ausserdem bildet die Stiftung Pflegefachpersonen, Ärztinnen und Ärzte aus. Dadurch fördert sie lokales medizinisches Wissen und baut etwas auf, das bleibt. Aus der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit weiss ich, wie wichtig diese Hilfe zur Selbsthilfe ist.

Ruedi Lüthy, was hat Sie dazu bewogen, Manuel Sager als Stiftungsrat anzufragen?

Ruedi Lüthy: Wir haben uns bei einem gemeinsamen Abendessen bei Freunden kennengelernt. Daraus entstand eine persönliche, harmonische Bekanntschaft mit guten Gesprächen. Es brauchte etwas Zeit, bis ich wagte, Manuel Sager für das Amt anzufragen. Er kümmerte sich als Direktor der DEZA um viel grössere Projekte als das unsrige. Er bringt viel Erfahrung in internationalen Beziehungen, Non-Profit-Organisationen und der Entwicklungszusammenarbeit mit und ergänzt das bestehende Gremium mit seiner konstruktiven Art gut. Neben seiner Erfahrung und seinem Wissen, war aber auch seine persönliche Haltung und Wertvorstellung ausschlaggebend. Seine Zusage hat mich extrem gefreut und auch den Stiftungsrat positiv überrascht.

Manuel Sager: Eine gute Chemie in so einem Gremium ist sehr wichtig. Aber ich verstehe mich auch als jemand, der kritische Fragen stellt. Das gehört ja auch zur Rolle und Aufsichtspflicht eines Stiftungsrats. Hat eine Organisation das richtige strategische Profil? Werden die Ressourcen effizient eingesetzt? Diese Fragen muss man manchmal auch mit «Nein» beantworten können.

Ruedi Lüthy: Das ist auch das, was ich erwarte.

Manuel Sager, welche Ziele verfolgen Sie als Stiftungsrat?

Manuel Sager: Mir ist ein strukturell sinnvolles und in der Praxis harmonisches Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Organisationseinheiten wichtig. Was ich bisher feststellen konnte und mich auch sehr ermutigt, ist die konstruktive, kollegiale Diskussionskultur in der Stiftung. Besonders faszinieren mich sodann auch strategische Fragen, vor allem in einem sich so häufig ändernden Kontext wie dem süd-östlichen Afrika. Die Herausforderungen sind bei kleineren und grösseren Organisationen immer etwa die gleichen. Neben einer guten Gouvernanz geht es meist um den optimalen Ressourceneinsatz, die Schärfung des Profils, die Rechenschaftsablegung über erreichte Ziele und die Krisenkommunikation. In all diesen Bereichen konnte ich während meiner Arbeit in der Entwicklungshilfe und Diplomatie gute und weniger gute Erfahrungen sammeln und Lehren ziehen. Die kann ich jetzt als Stiftungsrat miteinbringen.

Was erhoffen Sie sich Ruedi Lüthy?

Ruedi Lüthy: Entwicklungshilfe ist viel mehr als einen Brunnen oder ein Schulhaus zu bauen. Es hat viel mit der Philosophie zu tun, die hinter einem Projekt steht. Hinzugehen und zu denken, denen zeigen wir es wie es geht, ist für mich ein Graus. Man sollte Bedürfnisse erkennen und zusammen mit den Betroffenen diskutieren, was geändert werden soll. Dieses Beispiel zeigt, es braucht erst ein Verständnis von beiden Seiten. Das zu erkennen war für mich nicht selbstverständlich. Entwicklungshilfe ist vielseitig und kompliziert, viele Dinge kommen mir als Arzt gar nicht in den Sinn. Ich hoffe, dass Manuel Sager hier seinen Input geben, Erfahrung teilen und neue Ideen einbringen wird. Damit wir die Stiftung gemeinsam in die Zukunft führen können. Es gibt noch so viel Not.


Als Sie sich kennenlernten waren Sie, Manuel Sager, Direktor der DEZA, die die Ruedi Lüthy Foundation finanziell unterstützt. Ein Interessenkonflikt?

Manuel Sager: Die Anfrage von Ruedi Lüthy kam erst, nachdem ich mein Amt als DEZA-Direktor im April 2020 niedergelegt hatte. Wenn der nächste Finanzierungsentscheid ansteht, werde ich fast vier Jahre nicht mehr im Amt sein. Es gibt also keine Verbindung zwischen einem Finanzierungsentscheid der DEZA und dem Stiftungsratsmandat. Weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Trotzdem habe ich das Engagement mit der DEZA und dem Rechtsdienst des EDA abgeklärt. Und obwohl zu keinem Zeitpunkt rechtliche Gründe gegen mein Stiftungsratsmandat sprachen, habe ich mir eine freiwillige Karenzfrist auferlegt und erst im Dezember zugesagt.

Wie ging der Stiftungsrat mit dieser Frage um?

Ruedi Lüthy: Uns war bewusst, dass es bei flüchtiger Betrachtung nach einem Interessenkonflikt aussehen könnte. Das wurde von Anfang an im Stiftungsrat ernst genommen und besprochen. Für uns hat aber vor allem auch die Bedenkzeit jeden Zweifel ausgeräumt. Dies war für uns sehr wichtig, denn es hatte nie eine Absicht bestanden, über eine solche Ernennung an Fördermittel der DEZA zukommen. Diese unterstützt uns im Übrigen seit über 10 Jahren, d.h. lange bevor Manuel Sager Direktor wurde.

Herzlichen Dank für das Interview.

Das Gespräch führte Livia Stalder, Kommunikation der Ruedi Lüthy Foundation.


Wichtige Meilensteine in Manuel Sagers beruflicher Laufbahn:

Manuel Sager doktorierte an der juristischen Fakultät der Universität Zürich und besitzt das amerikanische Anwaltspatent. Er leitete die Koordinationsstelle für humanitäres Völkerrecht der Direktion für Völkerrecht von 2001 bis 2002 und war anschliessend als Informationschef im EDA sowie ab 2003 in derselben Funktion im Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement tätig. Von 2005 bis 2008 war Manuel Sager Exekutivdirektor mit Botschaftertitel bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London. Von 2010 bis August 2014 war er Schweizer Botschafter in den Vereinigten Staaten von Amerika. Ende 2014 übernahm er das Amt als Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA im EDA. Im Sommer 2020 ging Manuel Sager in Pension. Er hat weiterhin verschiedene Lehraufträge an Universitäten in den USA und der Schweiz und ist Stiftungsratsmitglied in gemeinnützigen und akademischen Institutionen in beiden Ländern.

Manuel Sager ergänzt den Stiftungsrat mit seiner Expertise in Entwicklungszusammenarbeit.

Fotografien: Simon Huber